06.12.2017

Mexiko

Kaffee aus Chiapas - faire Preise für indigene Bauern in Mexiko

José Aquino leitet die Verarbeitung des Kaffees in der Kooperative Capeltic der Jesuitenmission von Bachajón. Foto: Adveniat/Matthias Hoch

Etwa 15 Millionen der 120 Millionen Einwohner Mexikos sind Indigene, die bis heute unter Benachteiligungen zu leiden haben. Ein kirchliches Projekt produziert mit indigenen Bauern Kaffee - für den Weltmarkt.

Jose Aquino trinkt nach eigenen Worten "pro Tag 8 bis 16 Tassen Kaffee". Der imposante Konsum des koffeinhaltigen Getränks hat einen guten Grund: Aquino ist dafür zuständig, dass das Erzeugnis einer Kaffee-Kooperative nahe Bachajon im mexikanischen Bundesstaat Chiapas eine hohe Qualität hat. Denn der dort produzierte Kaffee ist für den Weltmarkt bestimmt, geht beispielsweise nach Japan.

Geleitet wird die Kooperative nicht von einem modernen "Kaffeebaron", sondern von Jesuiten. Es ist ein kirchliches Gemeinschaftsprojekt mit der einheimischen indianischen Bevölkerung vom Volk der Tzeltal. 315 Bauern mit ihren Familien gehören inzwischen dazu. Die Jesuiten kamen bereits vor 60 Jahren in die arme, ländliche Gegend - inzwischen wurde sogar die Bibel auf Tzeltal übersetzt.

"Capeltic" bedeutet "unser Kaffee"


Seit rund 15 Jahren gibt es die Kooperative "Capeltic", was "Unser Kaffee" bedeutet. Arturo Estrada, seit 2016 Leiter der Jesuitenmission in Bachajon, hat das Projekt über die Jahre vorangetrieben, auch über schwierige Zeiten hinweg: "Die Kooperative wächst, allerdings nicht schnell", sagt der unkonventionelle "Padre", der seine langen Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden trägt.

Sein Ziel ist es, dass die Begriffe Weltmarkt und Indigene problemlos in einem Atemzug genannt werden können. Die beteiligten Bauern erhalten nach seinen Worten einen "fairen und stabilen Preis" für ihre Bohnen, "von dem sie auch angemessen leben können". Weiterbildung inklusive.

Zugleich sollen die Lebensverhältnisse der früher ausgegrenzten und ausgebeuteten Kaffeebauern und ihrer Kinder verbessert werden. Die Indigenen hoffen, ihren Lebensunterhalt ausschließlich mit Kaffeeanbau zu bestreiten. "Die Bauern setzen komplett auf die Kooperative", sagt Estrada.

Von schokoladig bis karamellig bis zitronig


"Capeltic" ist eines von derzeit 350 Projekten in Mexiko, die vom katholischen Hilfswerk Adveniat mit einer Gesamtsumme von 1,8 Millionen Euro gefördert werden. Die Kaffee-Kooperative wird auch in der Adveniat-Weihnachtsaktion vorgestellt, die am Sonntag in Paderborn bundesweit eröffnet wurde. Pater Arturo ist dafür als "Aktionspartner" in Deutschland zu Gast. Das Motto der Spendenaktion lautet: "Faire Arbeit. Würde. Helfen."

Unterdessen wird Jose Aquino im heimischen Bachajon weiter am Endprodukt feilen, vor allem an der Kaffeeröstung. "Je größer und schwerer die Bohne ist, desto besser ist die Qualität, denn dann ist sie länger gereift", erzählt der 57-Jährige. In der Lagerhalle der Kooperative sticht er mit einem messerartigen Probenehmer in die Kaffeesäcke. Diese "Stichprobe" braucht er, um die Qualität der angelieferten grünen, ungerösteten Bohnen einschätzen zu können. 25 verschiedene Geschmacksrichtungen kann Aquino kreieren, von schokoladig über karamellig bis zitronig, je nach Hitzegrad der Röstung.

"Respektvolle Beziehung zu indigenen Volksgruppen schaffen"

Das in die Kooperative eingebundene Volk der Tzeltal ist nur eine indigene Gruppe im 120-Millionen-Einwohner-Staat Mexiko. 10 bis 15 Prozent der mexikanischen Bevölkerung, also etwa 15 Millionen Menschen, gehören zu einer der mehr als 60 indigenen Ethnien. Sie sprechen zum Beispiel Tzeltal, Tzotzil, Nahuatl, Maya-Sprachen, Mixteco oder Zapoteco. 80 Prozent der Einwohner Mexikos sind Mestizen, also Nachkommen von Spaniern und Indigenen.

"Die Indigenen wurden in Mexiko lange Jahre unterdrückt oder diskriminiert, teilweise bis heute, etwa im Bildungsbereich", berichtet der seit November emeritierte Bischof von San Cristobal de las Casas, Felipe Arizmendi Esquivel. Zwar sei es heute nicht mehr so krass wie in den 1960er Jahren, "als in San Cristobal die Indios die Bürgersteige verlassen mussten, wenn ein Weißer entgegenkam".

Doch die UN-Sonderberichterstatterin für die Rechte indigener Völker, Victoria Tauli-Corpuz, forderte Mexiko erst am 20. November auf, "respektvolle Beziehungen zu den indigenen Volksgruppen zu schaffen". Es gelte, das bisherige "Muster" von Menschenrechtsverletzungen zu durchbrechen.

Selbst die katholische Kirche, die ihre Beziehungen zu den Indios stark verbessert hat, hat noch Nachholbedarf: Von den 120 Bischöfen in Mexiko ist nur einer ein Indigener: Der Bischof von Tula, Juan Pedro Juarez Melendez, gehört der Gruppe der Nahua an.

Quelle: KNA, Autor: Norbert Demuth, Foto: Adveniat/Matthias Hoch

Faire Arbeit. Würde. Helfen.

Im Süden Mexikos wurden Kaffeebauern aus der Schuldknechtschaft befreit und arbeiten heute selbstbestimmt in einer Kooperative. Die Beispiele zeigen: "Faire Arbeit. Würde. Helfen", wie das Motto der Weihnachtsaktion 2017 des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat lautet. Einblicke gibt dieses Video:

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