20.04.2017

Mexiko

Indigene wegen fehlender Spanischkenntnisse im Gefängnis

Tausende Indigene sollen in Mexiko unschuldig oder zu lange hinter Gittern sitzen, weil sie die spanische Sprache nicht beherrschen. Symbolfoto.

In Mexikos Gefängnissen sitzen Medienberichten zufolge über 8.000 Indigene ohne Gerichtsurteil hinter Gittern. Wie das Nachrichtenportal "Animal Politico" am Mittwoch, 19. April 2017, berichtet würde die Mehrzahl der Angeklagten kein Spanisch sprechen und mangels Verteidigern mit Sprachkenntnissen sowie wegen fehlender Übersetzer teilweise jahrelang ohne rechtskräftigen Richterspruch in Haft verbleiben müssen.

Als Beispiel für diese Form mangelnder Rechtsstaatlichkeit beschreibt "Animal Politico" den Fall des 45-jährigen Adán de la Cruz Gallegos. Der Zapoteco-Indígena aus dem südmexikanischen Bundesstaat Oaxaca sitzt seit sieben Jahren im Gefängnis. Dem Mann sei zur Unterzeichnung eines Schuldeingeständnisses gezwungen worden, das er weder selbst verfasst noch dessen Inhalt wegen mangelnder Spanischkenntnisse verstanden hatte. Vorgeworfen werden Gallegos zwei Entführungsfälle. Eigenen Angaben zufolge befand sich der Angeklagte zum Zeitpunkt des Verbrechens über 750 Kilometer vom Tatort entfernt.

Dem zuständigen Richter zufolge könne der Fall deshalb nicht bearbeitet werden, weil es "manchmal keine Übersetzer" oder "kein Benzin für den Gefangenentransport" gebe. Den 18 Millionen Mexikaner, die eine der 68 indigenen Sprachen mit 346 Dialekten sprechen, stehen insgesamt 25 Pflichtverteidiger und 21 Beamte für deren Belange zur Verfügung. (bb)

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