28.11.2016

Deutschland, Interview, Peru

"Ich bitte RWE, Verantwortung zu ├╝bernehmen"

"Wir sind alle Menschen und die Erde ist unser Haus", sagt Sa├║l Luciano Lliuya aus Peru und fordert RWE auf, Verantwortung f├╝r verursachte Klimasch├Ąden zu ├╝bernehmen. Foto: picture-alliance/dpa/R. Weihrauch

In Essen klagt ein Bauer aus Peru gegen RWE. Er fordert, dass der Konzern f├╝r Klimasch├Ąden in seinem Heimatdorf aufkommt. RWE lehnt dies ab. "Da ist etwas nicht in Ordnung", sagt Sa├║l Luciano Lliuya im DW-Interview.

Sa├║l Luciano Lliuya ist Kleinbauer und Bergf├╝hrer und wohnt in der Andenstadt Huaraz im Westen von Peru. Der Vater von drei Kindern klagt vor dem Landgericht Essen gegen RWE, weil das Leben von ihm und rund 50.000 Menschen von der Gletscherschmelze bedroht ist.

Verantwortlich f├╝r die Gletscherschmelze ist auch nach Ansicht des Weltklimarates IPCC der Klimawandel, der auch im Zusammenhang mit dem massiven CO2-Aussto├č von Kohlekraftwerken steht.

Deutsche Welle: Herr Luciano Lliuya, warum ist das Schmelzen der Gletscher f├╝r Sie, f├╝r mehrere zehntausend Menschen in  Huarez so gef├Ąhrlich?

Das Schmelzen der Gletscher wird vom Klimawandel verursacht, von der globalen Erderw├Ąrmung. Durch die Gletscherschmelze steigt das Niveau der Gletscherseen und es gibt auch neue Gletscherseen. Und diese steigenden Wassermengen sind ein Risiko f├╝r die Menschen unterhalb der Seen.

Was k├Ânnen Sie gegen die Gefahren tun?

Die Gefahr ist da. Unsere Regierung versucht zu helfen, aber das reicht nicht. Also m├╝ssen wir nach weiteren M├Âglichkeiten suchen, um die Bergseen zu stabilisieren und uns zu sch├╝tzen.

Verantwortlich f├╝r den Klimawandel, f├╝r den Aussto├č von CO2, sind vor allem die Industriel├Ąnder und Unternehmen wie RWE. ├ťbernehmen die Verursacher bereits eine Verantwortung?

Die Industriel├Ąnder beziehungsweise die Unternehmen haben die Atomsph├Ąre sehr stark verschmutzt. Aber sie wollen nicht verantwortlich f├╝r die Verschmutzung sein. Und L├Ąnder wie Peru, die nicht verantwortlich f├╝r diese Verschmutzung sind, wir m├╝ssen mit den Konsequenzen leben und leiden darunter.

Macht Sie das w├╝tend?

Es gibt das klare Gef├╝hl von Emp├Ârung, dass etwas nicht in Ordnung ist. Es ist ein Gef├╝hl von Traurigkeit ├╝ber die Entwicklung der Anden. Nach und nach verlieren wir die ganze Natur und das macht auch w├╝tend.

RWE ist der gr├Â├čte Luftverschmutzer in Europa. Sie wollen, dass RWE Verantwortung ├╝bernimmt und fordern das jetzt vor Gericht ein. Wie war f├╝r Sie der erste Verhandlungstag?

Ich habe die Argumente in der Verhandlung sehr aufmerksam verfolgt. Ich hoffe, dass der Prozess erfolgreich sein wird.

Der Energiekonzern weist Ihre Anspr├╝che zur├╝ck, sieht sich nicht in der Verantwortung und will sich nicht an den Kosten f├╝r notwendige Schutzma├čnahmen beteiligen. Wie bewerten Sie dieses Verhalten?

Der Kampf um die Anerkennung dieser Anspr├╝che hat begonnen und er wird auch fortgesetzt werden. Die Effekte des Klimawandels gibt es an vielen Orten in der Welt, nicht nur in Peru. Und ich glaube in den n├Ąchsten Jahren wird es weitere Verfahren geben.

Wie sollten die Unternehmen damit umgehen, wie sollten sie handeln?  

Wir leben alle in einer Welt und sie geh├Ârt uns allen. Den Unternehmern, den Leuten, die dort arbeiten, uns, die darunter leiden. Wir sind alle Menschen und die Erde ist unser Haus. Und weil wir alle intelligent sind, m├╝ssen wir geeignete Ma├čnahmen ergreifen, um die Erde nicht mehr zu verschmutzen. Und hier gibt es ja viele M├Âglichkeiten, Verfahren und L├Âsungen.      

Was erwarten Sie ganz konkret von RWE?

Ich bitte darum, dass RWE sich verantwortlich zeigt f├╝r seine Sch├Ąden, f├╝r seine Umweltsch├Ąden. Und zu diesen Sch├Ąden geh├Âren die Folgen der Gletscherschmelze. Und ich denke, dass Unternehmen wie RWE langfristig ein Bewusstsein entwickeln m├╝ssen und diese zerst├Ârerische Produktion stoppen.

Haben Sie die Hoffnung, dass die Unternehmen sich f├╝r solche Ver├Ąnderungen entscheiden?

Klar. Wir alle haben die Hoffnung, dass es Ver├Ąnderungen gibt, dass die Erde sich nicht erw├Ąrmt und dass nicht das Schlimmste passiert.     

Und welche Hoffnungen verkn├╝pfen Sie mit dem Prozess?

Ich hoffe, dass das Gericht uns recht gibt und positiv entscheidet. Und wenn es nicht positiv entscheidet, dann werden wir weitermachen, und es wird irgendwann einen anderen geben, der das Recht einfordert. Es geht um Gerechtigkeit und diese Forderung kommt von vielen.

Quelle: Deutsche Welle, Interview: Gero Rueter

« Zurück

AKtuelle Ausgabe:

Titelbild des Magazin Blickpunkt Lateinamerika in der aktuellen Printausgabe

Die Zeitschrift erscheint viertelj├Ąhrlich und kann kostenlos abonniert werden.

 

Redaktion und Kontakt:
Nicola van Bonn
Telefon: +49 (0)201 1756-212
E-Mail versenden

 

DOSSIER:
Friedensprozess Kolumbien

Friedenprozess in Kolumbien - Dossier


DOSSIER:

Oscar Romero

Oscar Romero - Dossier

DOSSIER:
Mapuche

Das Indigene Volk der Mapuche - Dossier

Partner von:

Deutsche Welle ist Kooperationspartner von Blickpunkt Lateinamerika -  Logo von DW