06.02.2017

Interview, Mexiko, USA

"Eine Mauer wird die Probleme nicht l├Âsen"

"Kein unerlaubtes Betreten!", sagt das Schild der mexikanischen Bahngesellschaft direkt an der Grenze. Foto: Adveniat/Schmidt.

Der Bau einer Mauer zwischen den USA und Mexiko wird nach Einsch├Ątzung der mexikanischen Bisch├Âfe weder den Fl├╝chtlingsstrom noch den Drogenhandel stoppen. Im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) fordert der Generalsekret├Ąr der Mexikanischen Bischofskonferenz, Weihbischof Alfonso Gerardo Miranda Guardiola aus Monterrey, eine Zusammenarbeit der beiden Staaten.

KNA: Herr Bischof, welche Position vertreten die Mexikanischen Bisch├Âfe gegen├╝ber dem von US-Pr├Ąsident Donald Trump angek├╝ndigten Mauerbau an der Grenze?

Miranda: Als Mexikanische Bischofskonferenz haben wir dazu eine eindeutige Meinung: Den Bau einer Mauer halten wir f├╝r eine Aktion, die aus verschiedenen Gesichtspunkten nicht korrekt und zielf├╝hrend ist. Die Kirche steht bereit, Br├╝cken statt Mauern zu bauen. Eine Mauer bedeutet mehr als eine Trennung zweier verbr├╝derter V├Âlker. Es gehen nicht nur Gesch├Ąfte verloren, es ist auch eine Art der Dem├╝tigung. Wir sind damit nicht einverstanden und wollen das auch nicht akzeptieren.

Welchen Einfluss h├Ątte der Bau einer Mauer auf den Drogenhandel?

Zuvor muss man festhalten: Eine solche Mauer schlie├čt nicht nur die T├╝re f├╝r Mexiko, sondern f├╝r ganz Zentralamerika und Lateinamerika. Der Drogenhandel wird sich dagegen andere T├╝ren suchen: mit dem Schiff, mit dem Flugzeug. Ist der Landweg verschlossen, wird der Drogenhandel eben auf das Wasser oder die Luft ausweichen, es werden dann eben andere Bereiche korrumpiert. Eine Mauer wird aus meiner Sicht die Probleme nicht l├Âsen, auch nicht den Zustrom von Fl├╝chtlingen, oder den Waffenhandel.

Welche Alternative k├Ânnen Sie vorschlagen, damit eine Mauer ├╝berfl├╝ssig wird?

Eine Mauer kann niemals eine Alternative sein. Die Alternative muss immer die Zusammenarbeit sein. Was die Bedrohung eines Mauerbaus schon jetzt bewirkt, ist, dass wir mit den USA auf verschiedenen Bereichen enger zusammenr├╝cken, zum Beispiel auf der Ebene der Bischofskonferenzen der beiden L├Ąnder. Wir werden dazu zum Beispiel in K├╝rze ein Zusammentreffen der Grenzbisch├Âfe aus beiden L├Ąndern haben. Auch auf politischer Ebene gibt es den Austausch auf verschiedenster Ebene, um eine solche Mauer zu verhindern. Die Alternative kann deshalb nur lauten: zusammenarbeiten, zuh├Âren, Alternativen suchen, Verbesserungsvorschl├Ąge unterbreiten.

Und was die Kritik am Freihandelsabkommen angeht, von dem der Pr├Ąsident sagt, es sei sehr schlecht, kann ich nur sagen, dass die wirtschaftlichen Beziehungen untereinander sehr bedeutend sind. Die Amerikaner sind in vielen Pl├Ątzen und Regionen Mexikos zu Hause. In La Paz, in Baja California zum Beispiel - dort sind die Amerikaner ├╝berall mit ihren Yachten, ihren H├Ąusern und Kolonien. Auch in anderen Regionen des Landes haben sich die guten Beziehungen mit den USA zementiert und sind weiter gewachsen.

Was denken die Mexikaner ├╝ber die Worte des neuen Pr├Ąsidenten der USA insbesondere mit Blick auf die Kriminalit├Ąt? Er hat gesagt, die mexikanischen Einwanderer seien M├Ârder.

Das ist schlicht und einfach falsch. Das k├Ânnen wir nicht akzeptieren. Die Mexikaner sind ein Teil des Volkes, der hart arbeitet. In vielen Regionen der USA sind die mexikanischen Migranten eine wichtige Grundlage f├╝r das Wirtschaftswachstum. Es gibt Mexikaner in allen Bereichen der Gesellschaft, Unternehmer und Arbeiter. Und diejenigen, die Straftaten begehen, m├╝ssen nat├╝rlich daf├╝r bezahlen. Man kann nicht sagen, die Mexikaner sind alle schlecht.

Kann sich die gegenw├Ąrtige Krise auch als eine Chance f├╝r Mexiko herausstellen?

So ist es. Es zeigt sich ja schon jetzt, dass die M├Ąrkte in Europa, der riesige Markt in Asien, eine gro├če Chance f├╝r Mexiko sind, wirtschaftlich weiter zu wachsen. Dank des Freihandelsabkommens haben sich Mexikaner als wichtige Unternehmer auf weltweitem Niveau etabliert. Das alles st├Ąrkt unsere Kr├Ąfte, unseren Glauben und unsere Arbeit.

Wenn Sie pers├Ânlich die M├Âglichkeit h├Ątten, dem neuen US-Pr├Ąsidenten eine Botschaft zu ├╝bermitteln, was w├╝rden Sie ihm sagen?

Ich w├╝rde ihn im Namen der katholischen Kirche in Mexiko gr├╝├čen. Ich w├╝rde ihm sagen, dass er ├╝ber alles, was er tut und sagt, genau nachdenken soll. Denn er ist der F├╝hrer einer Supermacht. Und all seine Entscheidungen haben weltweite Auswirkungen. Ich w├╝rde ihn deshalb bitten, dass er seine Arbeit und seine Entscheidungen genau abw├Ągt. Jeder hat zum Beispiel das Recht, sein Volk zu sch├╝tzen, aber nicht um den Preis von Bedrohung, Besch├Ądigung von Beziehungen oder - im Falle von Mexiko - um den Preis von Spaltung. Ich w├╝rde ihm sagen, dass wir f├╝r ihn beten, damit seine Entscheidungen den richtigen Weg nehmen f├╝r das Wohl aller V├Âlker.

Quelle: KNA. Das Interview f├╝hrte Tobias K├Ąufer.

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