08.02.2017

Friedensprozess, Interview, Kolumbien

Die Guerilla braucht geistlichen Beistand

Claretinerpater Darío Echeverri González koordiniert die Nationale Versöhnungs-kommission in Kolumbien. Foto: Adveniat/Escher.

Erst vermittelte die Kirche bei den Friedensverhandlungen mit der Farc, jetzt sitzt sie bei den Gesprächen mit der ELN am Tisch. DW-Interview mit Claretinerpater Darío Echeverri, Koordinator der Versöhnungskommission.

Nach dem historischen Friedensabschluss mit den Farc-Rebellen im Dezember beginnen heute die Friedensverhandlungen mit der ELN. Gibt es Parallelen zu den Friedensverhandlungen mit der Farc?

Darío Echeverri González: Bei den Verhandlungen mit der ELN gibt einen Vorteil: Es gibt schon eine vorverhandelte Agenda. Darin gibt es drei Punkte, die mit dem Abkommen der Farc übereinstimmen. Das lässt uns hoffen, dass wir schneller vorankommen.

Welche Beziehungen hat die katholische Kirche zur ELN?

Die ELN fühlt sich der Kirche wegen ihres alten Konzepts der Befreiungstheologie verbunden. Sie hat gemeinsam mit der kolumbianischen Regierung die Kirche um ihre Teilnahme an den Verhandlungen gebeten. Die Kirche hat eine Gruppe von fünf Bischöfen und mich als Sekretär ernannt. Die ELN hat auch Beziehungen zur katholischen Kirche in Deutschland. Dank der Deutschen Bischofskonferenz und ihres ehemaligen Vorsitzenden Kardinal Lehmann kam es 1998 zu den Mainzer Gesprächen zwischen der ELN und der Zivilgesellschaft. Leider sind sie gescheitert. Die ELN hat diese Geste nicht vergessen und ist der katholischen Kirche in Deutschland noch immer dankbar für ihre Unterstützung.

Wo liegen die Unterschiede zwischen ELN und Farc?

Die Farc ist die größte und älteste Guerillaorganisation in Lateinamerika, sie ist strikt hierarchisch strukturiert. Die nationale Befreiungsarmee ELN hingegen richtet sich an einem basisdemokratischen Mitbestimmungsrecht seiner Kämpfer aus. Sie ist kleiner als die Farc, hat aber ein anderes Verständnis von Demokratie und Gesellschaft. Mit der Farc haben wir mit der Führungsriege in Havanna verhandelt. Bei der ELN muss zwischendurch immer die Basis konsultiert werden. Das bringt Schwierigkeiten mit sich. Es wird also nicht so schnell gehen, wie es viele Kolumbianer gerne hätten.

Wäre ein Ende des über 50 Jahre währenden Bürgerkriegs in Kolumbien auch ohne einen Friedensvertrag mit der ELN möglich?

Ein Abkommen mit den Farc ohne ein Abkommen mit der ELN erlaubt keine Verifikation des Waffenstillstands. Wir hoffen also sehr, dass diese Verhandlungen prosperieren. Mit der Farc war es schwierig, und mit der ELN kann es genau so schwierig werden.
Aber der Druck auf die ist ELN groß. National wie International...

Hoffentlich versteht die ELN zwei Dinge: Erstens: Der internationale Kontext verändert sich gerade. Zweitens: 2018 sind Präsidentschafts- und Kongresswahlen in Kolumbien. Zweifelsfrei werden die Bedingungen nicht mehr die selben sein wie heute. Sie könnten sich sogar verschlechtern. Darum fahren wir mit aufgeladenen Batterien nach Quito, wir wollen einen Grund zur Hoffnung geben. Wir wollen animieren und Impulse setzen und an das Wohl aller Kolumbianer denken statt politische Spielchen zu spielen. Wir denken daran, wie schön ein friedliches Kolumbien ohne Bürgerkrieg wäre. Nicht nur mit den Farc, sondern auch mit der ELN.

Quelle: Deutsche Welle, das Gespräch führte Lukasz Tomaszewski.

Die katholische Kirche Kolumbiens will bei den seit Dienstag laufenden offiziellen Friedensgesprächen zwischen Regierung und ELN-Guerilla vermitteln. Es gebe bei allen Verhandlungen kritische Momente, sagte der Bischof von Tibu, Omar Sanchez Cubillos, der im Namen der Kolumbianischen Bischofskonferenz die Gespräche in Ecuador begleitet. "Ich hoffe, dass wir ein hilfreiches Element in diesen Momenten sein können."

Quelle: KNA.

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