10.08.2017

Mexiko

Das neue Maskottchen von Mexiko-City

Den Azteken galt er als heilig - der scheue Schwanzlurch Axolotl. Foto: Josh More, CC BY-NC-ND 2.0

Der Axolotl, ein Schwanzlurch, spielte schon in der prähispanischen Kultur Mexikos eine wichtige Rolle. Die Regierung von Mexiko-City hat ihn jetzt als Symbolfigur wiederentdeckt.

 

In der aztekischen Sprache Náhuatl, die von 1,5 Millionen Mexikanern gesprochen wird, bedeutet Axolotl "Wassermonster". Die Institutionen von Mexiko-City haben das faszinierende Amphib jetzt für ihre tägliche Kommunikation als Maskottchen erkoren. Der Axolotl erscheint als Emoticon in verschiedenen Gestalten - mal verzehrt er einen Taco, mal ist er gekleidet wie die legendäre mexikanische Malerin Frida Kahlo, dann wieder wirft er sich in Mariachi-Pose. Geschaffen hat diese Fituren die Designerin Itzel Oropeza Castillo. Warum sie ausgerechnet den Axolotl ausgewählt hat? Er sei nett anzuschauen, ein lächelndes Tier und ein typischer Bewohner Mexikos.

Inspiration für Pokemons, Gegenstand der Wissenschaft

Die eigenartige Physiognomie des Axolotl wirkt nicht auf jeden schön, die Wortbedeutung "Monster" legt es nahe. Der Axolotl diente bereits als Inspiration für eine Pokemon-Figur und schaffte es so ins ferne Japan. Für Wissenschaftler wiederum ist der Axolotl ein hochinteressanter Forschungsgegenstand, unter anderem, weil er Gliedmaßen und Organe wiederherstellen kann. Bis vor einigen Jahren galt der Axolotl in Mexiko als vom Aussterben bedroht. Die Azteken sahen in dem Amphib die Reinkarnation eines Gottes, und den argentinischen Schriftsteller Julio Cortázar inspirierte er zu einer Erzählung gleichen Namens. Der Axolotl lebt in den Seen von Mexiko-City, Chalco und Xochimilco.

Überleben in der Riesen-Metropole bedroht

Den Azteken war der Axolotl, obwohl heilig, zugleich Nahrungs- und Heilmittel (bei Asthma und Bronchitis). Sein Überleben wurde bis vor kurzem durch Umweltverschmutzung und Stadtentwicklung gefährdet. Die Regierung von Mexiko-City schätzt die Zahl der Tiere im Xochimilco auf 700 bis 1.200. Anders als Amphibien wie Salamander oder Frösche verlässt der bis zu 30 Zentimeter lange Axolotl das Wasser nicht; er verfügt aber über über Ansätze von Lungen, die es ihm erlauben, über der Wasseroberfläche nach Luft zu schnappen. Außerhalb der Paarungszeit meidet der Axolotl den Kontakt zu Artgenossen.

Metapher für die nationale Identität Mexikos

Der prähispanischen Mythologie zufolge sollte Xólotl, der Bruder des Gottes Quetzalcóatl, den Opfertod sterben. Um dem zu entgehen, nahm er die Gestalt einer Maispflanze und anschließend die einer Agave an. Beide Male wurde er jedoch entdeckt und entschied daraufhin, ins Wasser zu fliehen. Hier wurde er zum Axolotl. Der mexikanische Maler Diego Rivera baute ihn in eine seiner berühmten Wandmalereien (Murales) ein, wo der Axolotl als Symbol für Schöpfung auftaucht. Für den Anthropologen und Soziologen Roger Bartra steht der Axolotl als Metapher für die nationale Identität Mexikos. Und Octavio Paz inspirierte er zu seinem Gedicht "Salamandra".

Der Axolotl wird seit einigen Jahren außerhalb Mexikos in Gefangenschaft von Freunden exotischer Tiere gezüchtet: in Südkorea, Kanada oder den Niederlanden. In seiner Heimat dagegen genießt er Schutzstatus und darf nicht vermarktet werden. Es sei denn als Maskottchen.

Text: Bernd Stößel, Foto: Josh More, CC BY-NC-ND 2.0

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