07.11.2018

Kuba

Interview: "Bei erneuerbaren Energien und Energieeffizienz sehen wir eine Menge M√∂glichkeiten f√ľr deutsche Firmen"

Gunther Neubert (links) bei der Er√∂ffnung des B√ľros (Quelle: Gunther Neubert)

In der vergangenen Woche ist in Havanna das Deutsche B√ľro zur F√∂rderung von Handel und Investitionen er√∂ffnet worden. Ein Interview mit B√ľroleiter Gunther Neubert zum Investitionsklima, den Besonderheiten des Wirtschaftens auf Kuba und Perspektiven f√ľr die deutsche Wirtschaft auf der Insel.

Blickpunkt Lateinamerika: Beim Besuch des damaligen Bundeswirtschaftsministers Sigmar Gabriel in Kuba Anfang 2016 war die Er√∂ffnung eines Deutschen B√ľros zur F√∂rderung von Handel und Investitionen noch im selben Jahr angek√ľndigt worden. Warum hat es letztlich so lange gedauert?

Gunther Neubert: Die Struktur unseres B√ľros war erkl√§rungsbed√ľrftig. Wir sind nicht an die Botschaft angegliedert, sondern ein unabh√§ngiges B√ľro zur Vertretung der deutschen Wirtschaft. Wir geh√∂ren zum Netz der deutschen Au√üenhandelskammern, die es mittlerweile in mehr als 90 L√§ndern gibt. Der gro√üe Teil der L√§nder wird hier √ľber die Wirtschaftsabteilungen ihrer Botschaften vertreten.

Sie selbst sind seit mehreren Monaten im Land, haben die Eröffnung vorbereitet. Wie ist Ihr Eindruck der wirtschaftlichen Situation im Land?

Wir arbeiten eng mit der Kubanischen Handelskammer und dem kubanischen Ministerium f√ľr Au√üenhandel und Auslandsinvestitionen zusammen. Ich kann sagen, dass einerseits das Interesse der deutschen Unternehmen sehr gro√ü ist ‚Äď das sehen wir an den Anfragen von deutschen Unternehmen, die sich f√ľr den Standort Kuba interessieren. Wir stellen fest, dass in Deutschland ein Informationsdefizit besteht, dar√ľber welche M√∂glichkeiten es hier im Land f√ľr unternehmerisches Engagement gibt; aber auch dar√ľber, wie die Vorgehensweise aussieht, wenn man Gesch√§fte mit kubanischen Unternehmen t√§tigen m√∂chte. Hier sind bestimmte Vorgehensweisen erforderlich, die abweichen vom Markteintritt in anderen L√§ndern. So ist die Kubanische Handelskammer in den meisten F√§llen unser erster Ansprechpartner, die uns dabei unterst√ľtzt, die entsprechenden Gespr√§chstermine beispielsweise mit den jeweiligen Einkaufsgesellschaften zu organisieren.

Sie erw√§hnten bereits, dass die AHK in mehr als 90 L√§ndern aktiv ist. Warum jetzt Kuba? Was verspricht sich die deutsche Wirtschaft von dem B√ľro hier?

Kuba ist nat√ľrlich ein sehr erkl√§rungsbed√ľrftiger Markt. Daher ist es einfach auch notwendig, hier permanent vor Ort pr√§sent zu sein. Denn es ist wichtig, Vertrauen und ein Informationsnetz aufzubauen, in die Ministerien hinein, aber auch in die staatlichen Unternehmen, um im Rahmen der F√∂rderung der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen deutsche Unternehmen detailliert beraten zu k√∂nnen √ľber die M√∂glichkeiten, die sich hier ergeben, aber auch √ľber die Herausforderungen, die gerade ein Engagement in Kuba mit sich bringt.

In welchen Wirtschaftsbereichen sehen Sie Potential f√ľr deutsche Firmen? Wo sind vielleicht deutsche Firmen auch schon aktiv?

Wir haben mit MTU und MAN in der klassischen Energieversorgung Unternehmen seit vielen Jahren hier vor Ort. Aber gerade im Bereich der erneuerbaren Energien und Energieeffizienz sehen wir eine Menge M√∂glichkeiten f√ľr deutsche Firmen. Zum einen, weil es da viel Know-How gibt; zum anderen weil die kubanische Regierung in ihrer Planung, den Anteil erneuerbarer Energien bis 2030 von vier auf 24 Prozent zu erh√∂hen, die Messlatte sehr hoch geh√§ngt hat. Der Bereich Tourismus ist ebenfalls ein interessanter Wachstumsmarkt, dar√ľber hinaus der Agrarsektor in der gesamten Wertsch√∂pfungskette bis hin zu Verpackung und Logistik. Dort gibt es einen gro√üen Nachholbedarf auf kubanischer Seite.

Um die Wirtschaft in Schwung zu bringen und neue Technologien ins Land zu holen, öffnet sich Kuba ausländischem Kapital. Im Jahr 2014 trat ein neues Auslandsinvestitionsgesetz in Kraft; rund um den Hafen Mariel wurde Ende 2013 eine Sonderwirtschaftszone eingerichtet. Wie schätzen Sie das Investitionsklima ein?

Wir haben mit Freude vernommen, dass der neue kubanische Pr√§sident, Miguel D√≠az-Canel, gerade die Problematik der langen Genehmigungsverfahren und des zu hohen B√ľrokratieanteils selbst bem√§ngelt und das sozusagen zur Chefsache erkl√§rt hat. Und vor allem, dass Auslandsinvestitionen nicht als notwendiges √úbel angesehen werden, sondern tats√§chlich auch als integraler Bestandteil der kubanischen Wirtschaftspolitik.

Welche Rolle spielt die US-Blockade gegen Kuba, gerade die extraterritorialen Auswirkungen dieser Politik?

Wir h√∂ren immer wieder in unseren Beratungsgespr√§chen oder in unseren Informationsveranstaltungen, dass Unternehmen die Sorge haben, dass sie aufgrund der US-Blockadepolitik beeintr√§chtigt oder bestraft, also mit Sanktionen belegt w√ľrden. Das ist f√ľr das Gesch√§ftsklima in Kuba f√ľr deutsche Unternehmen sicherlich nicht f√∂rderlich.

Ein kleiner Ausblick zum Schluss: Wenn wir uns in einem Jahr wiedertreffen, was w√ľrden Sie dann gern erreicht haben?

Ich w√ľrde mir w√ľnschen, dass wir M√∂glichkeiten finden, die Potentiale, die es f√ľr die Kooperation zwischen deutschen und kubanischen Unternehmen gibt und die wir zum Beispiel im Energiesektor oder im Bereich der Biotechnologie sehen, dass wir dort einen Schritt weiter gekommen sind. So dass wir neben den klassischen Gesch√§ften, die derzeit durchgef√ľhrt werden, neue Bet√§tigungsfelder erschlie√üen, dadurch Best-Practice-Beispiele bekommen und dadurch weitere Unternehmen f√ľr Kuba interessieren k√∂nnen.

Interview: Andreas Knobloch

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