Dossier

Mapuche

Die Mapuche sind die Ureinwohner im Süden von Chile und Argentinien. Sie wurden auch Araukanier genannt und waren das einzige indigene Volk Lateinamerikas, das der spanischen Eroberung standhielt und der Krone einen über Jahrhunderte geltenden Status quo abrang. Nach der chilenischen Unabhängigkeit (1818) begann in den 1860er Jahren die Entrechtung: Einmarsch der Armee, Enteignung, Niedergang der eigenen Traditionen und Sprache. Erst seit einigen Jahren beginnt eine Neubesinnung auf die eigene Kultur und Identität. Zudem radikalisiert sich eine kleine Minderheit politisch.

Geschätzte rund 600.000 Mapuche leben noch im Süden Chiles, dazu mehrere hunderttausend, weitgehend kulturell entwurzelt, in der Hauptstadt Santiago. Nur noch 10 bis 15 Prozent der Mapuche sprechen ihre Sprache, das Mapudungun, aktiv; zudem handelt es sich nicht um eine Schriftsprache.

Sozial zählen die Mapuche in Chile zum ärmsten und am wenigsten gebildeten Teil der Bevölkerung. Im Alltag sind die Ureinwohner Diskriminierung und Vorurteilen ausgesetzt, vergleichbar vielleicht mit Roma und Sinti in Europa. Die UN-Konvention 169 der Weltarbeitsorganisation ILO zum Schutz ethnischer Minderheiten ist in Chile bislang nicht voll umgesetzt. Die Pinochet-Diktatur (1973-1990) leugnete gar das Vorhandensein einer ethnischen Minderheit ("Wir sind alle Chilenen").

Die westlich orientierte hispanische und die Mapuche-Kultur stehen sich fremd gegenüber. Die Mapuche ("Menschen der Erde") leben traditionell nicht hierarchisch und in Einklang mit der Natur. Dem steht eine an Ausbeutung der natürlichen Ressourcen und an Monokulturen interessierte Großindustrie gegenüber. Zunehmende Umweltbelastung, Menschenrechtsverstöße und große Infrastrukturprojekte sorgen für Konfliktpotenzial und Verzweiflungstaten.

Quelle: KNA.

Eine Frau aus dem Volk der Mapuche mit einer traditionellen Trommel

Adveniat fordert Bundesregierung auf, sich für das Volk der Mapuche einzusetzen. "Die Mapuche kämpfen um ihr kulturelles und soziales Überleben sowie um die Anerkennung ihrer verbrieften Rechte", betonte Adveniat-Hauptgeschäftsführer Prälat Bernd Klaschka jetzt in einem Schreiben an Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel und an Mitglieder der Bundesregierung.

Mit dem Appell an die Bundesregierung macht sich die Bischöfliche Aktion Adveniat die Forderungen der Mapuche zu eigen.

Zum Nachlesen: Offener Brief der Mapuche an Adveniat  

CHILE, MAPUCHE

Der Mapuche-Konflikt

Was ist der Mapuche-Konflikt? Seit wann gibt es ihn? Wie ist er entstanden? Wie geht es den Mapuche heute?
Diese Fragen und noch mehr beantwortet Reiner Wilhelm, Länderreferent von Adveniat, ausführlich in seinem Bericht. Weiterlesen


22.03.2017

Chile, Mapuche

Landkonflikt in La Araucanía flammt neu auf

Der Konflikt um Land zwischen Mapuche-Organisationen und Agrarunternehmen in der chilenischen Region La Araucanía im Süden des Landes flammt erneut auf.

18.11.2016

Chile, Mapuche

Im Gefängnis ohne Gerichtsurteil

Francisca Linconao ist Machi, spirituelle Autorität und Heilerin des Mapuche-Volkes. Sie und zehn weitere Mapuche befinden sich im Gefängnis in Temuco unter Verdacht, im Jahr 2013 den Brandanschlag auf das Haus der...

23.09.2016

Argentinien, Mapuche

Erstes Mapuche-Krankenhaus eröffnet

Im Departamento Aluminé ist diese Woche das erste Krankenhaus mit traditionellen Ärzten der Mapuche-Minderheit und ihren indigenen Heilmethoden in Argentinien eröffnet worden. Das zweite indigene Hospital dieser Art in ganz...

14.07.2016

Chile, Mapuche

Das Misstrauen sitzt tief - Runder Tisch im Mapuche-Konflikt

In Chile setzt Präsidentin Michelle Bachelet auf Dialog, um den alten Streit mit den Ureinwohnern an der Wurzel zu packen. Doch aller Anfang ist schwer.

04.07.2016

Chile, Mapuche

Regierung bereitet Runden Tisch mit Mapuche vor

Die chilenische Regierung bereitet einen Runden Tisch mit Vertretern der Mapuche vor. Das berichtet die Tageszeitung "La Tercera" am Sonntag, 3. Juli 2016, unter Berufung auf den Bischof von Temuco, Hector Eduardo...

16.06.2016

Chile, Mapuche

Kirchen in Flammen

In Chile nimmt die Gewalt gegen christliche Einrichtungen zu. Die Behörden verdächtigen die chilenischen Ureinwohner Mapuche. Diese diskutieren unter sich über die Gewalt.

02.06.2016

Chile, Mapuche

Menschenrechtler beklagen Polizeigewalt gegen Mapuche

Die Menschenrechtsorganisation "Nationales Institut für Menschenrechte" (INDH) in Chile hat die anhaltenden Übergriffe von Polizei und staatlichen Sicherheitskräften auf Mitglieder der Mapuche-Minderheit beklagt. Das...

26.04.2016

Chile, Mapuche

Erneuter Brandanschlag im Landrechtskonflikt

Am Montag, 25. April 2016, wurde in der chilenischen Region La Araucanía ein weiterer Brandanschlag auf eine Kirche verübt. Dieses Mal war die evangelische Kirche "Alianza Cristiana y Misionera" in der Gemeinde Padre...

25.04.2016

Chile, Mapuche

Mapuche-Führer distanziert sich von Brandstiftungen

In Chile hat sich ein prominenter Mapuche-Führer von den jüngsten Brandstiftungen an katholischen Kirchen distanziert, für die ein Bekennerschreiben einer radikalen Mapuche-Gruppe vorliegt. Die Verantwortlichen, die hinter den...

21.04.2016

Chile, Deutschland, Mapuche

Adveniat: Mapuche in Chile nicht grundlos verdächtigen

Nach wiederholten Brandanschlägen auf Kirchen und Kapellen im Süden Chiles warnt das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat vor einer Vorverurteilung der indigenen Mapuche. Bei jedem neuen Vorfall in den Regionen Araucanía und Bio-Bio...

19.04.2016

Chile, Mapuche

Brandanschlag auf Universität

Die Brandanschläge auf christlicher Einrichtungen in den Konfliktregion Araucanía und Bío-Bío im Süden Chiles reißen nicht ab. Mehrere Vermummte und mit Gewehren bewaffnete Unbekannte waren in der Nacht zum Montag, 18. April...

13.04.2016

Chile, Mapuche

Weiterer Brandanschlag gegen Unterdrückungspolitik

Die Serie von Brandanschlägen auf Kirchen in Chile reißt nicht ab. Wie chilenische Medien am Dienstag, 12. April 2016, berichteten, setzten Unbekannte ein katholisches Gotteshaus in der Stadt Canete in der Provinz Bio-Bio in...

12.04.2016

Chile, Mapuche

Vollversammlung besorgt über die Gewalt in Araucania

In ihrer Schlussbotschaft zur 111. Vollversammlung (Punta de Tralca, 4. bis 8. April) äußern sich die Bischöfe besorgt über die Gewalt in Araucania und rufen die Bürger zu aktivem Engagement für ein besseres Leben auf.

07.04.2016

Chile, Mapuche

Proteste gegen Mapuche-Massenverhaftung

Nach der Verhaftung von elf Mitgliedern der indigenen Mapuche-Minderheit in Chile vor einer Woche wegen Mordverdachtes im Luchsinger-MacKay-Fall ebbt der Konflikt in der Araucanía-Region im Süden des Landes nicht ab. Wie lokale...

01.04.2016

Chile, Mapuche

Elf Mapuche wegen Mordverdacht in U-Haft

In der südlichen Araucanía-Region hat Chiles Polizei elf Staatsbürger der Mapuche-Minderheit wegen des Verdachts der Brandstiftung mit Todesfolge festgenommen. Wie lokale Medien berichten seien die Tatverdächtigen am Mittwoch,...

31.03.2016

Argentinien, Mapuche

Was geschah mit Indigenen während der Diktatur?

Diesen Monat jährte sich der Militärputsch in Argentinien zum 40. Mal. Anlässlich des Jahrestages werden in Argentinien viele Aspekte der Diktatur beleuchtet - die Indigenen hingegen scheinen die Mehrheitsgesellschaft nicht zu...

09.03.2016

Chile, Mapuche

Brandanschlag auf Kirche

In Chile haben Unbekannte nach einem Bericht des Portals "Radio Agricultura" am Dienstag, 8. März 2016 (Ortszeit), einen Brandanschlag auf eine katholische Kirche verübt. Der Vorfall ereignete sich in Vilcun in der...

26.02.2016

Argentinien, Mapuche

Mapuche begrüßen Entschuldigungsbitte des Papstes

Der Mapuche-Verband der argentinischen Provinz Neuquén hat in einer Erklärung die Bitte um Vergebung begrüßt, die Papst Franziskus auf seiner Mexiko-Reise an die indigenen Völker gerichtet hat.

27.01.2016

Chile, Mapuche

Sprache ist ein wichtiger Teil der Kultur

Erstmals könnte in Chile eine indigene Sprache regional offizielle Amtssprache neben Spanisch werden. Ein Rechtsgutachten spricht dem Mapudungun gute Chancen zu. Am 1. Februar soll der Regionalrat diskutieren.

12.01.2016

Chile, Mapuche

Chile soll ein Indigenen-Ministerium bekommen

Die chilenische Präsidentin Michelle Bachelet hat ein Gesetz unterzeichnet, das die Schaffung eines Ministeriums und einen Rat für indigene Völker ermöglicht. Chile müsse für eine bessere Anerkennung seiner Multikulturalität und...

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Mapuche-Alltag

Mapuche-Tradition

Mapuche-Dorfschule in Temuco

Noch mehr Mapuche-Bilder finden Sie im Adveniat-MediaPortal.

Audio: Streit um Vergnügungspark

Ein chilenischer Multimillionär verwandelt, nachdem alle Edelhölzer gerodet sind, sein ehemaliges Holzbusiness im Süden Patagoniens in eine Art Vergnügungspark und scheffelt damit wieder Millionen. Die Mapuche, die Teile des Landes beanspruchen, halten davon gar nichts.

Sandra Weiss war vor Ort.

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Audio: In einer Mapuche-Schule

Sie trotzten erst den Inkas und dann den Spaniern: Jahrhundertlang galten die Mapuche im äußersten Süden Südamerikas als unbesiegbar. Sie machten sogar gute Geschäfte mit den spanischen Kolonialherren und wurden zum reichsten indigenen Volk des Kontinents.

Mit der Unabhängigkeit Argentiniens und Chiles aber setzte der Niedergang ein. Ein besonderer Tiefpunkt war während der Militärdiktatur Pinochets in den 1970er und 80er Jahren erreicht: Die Mapuche verloren weite Teile ihres Landes, ihren Stolz - und fast auch ihre Sprache.

Seit einigen Jahren aber treten die "Menschen der Erde" - das bedeutet Mapuche nämlich - wieder deutlich selbstbewusster auf. Sie fordern einen angemessenen Platz in der chilenischen Gesellschaft. Und besinnen sich auf ihre Wurzeln. Hilde Regeniter hat sie besucht.

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Video: Die eigene Identität erlernen

Die 34-jährige Pamela del Carmen Tripailaf Lefio ist Lehrerin einer kleinen Landdorfschule außerhalb von Temuco, der Hauptstadt der Region Araucanía in Südchile. Dort unterrichtet sie ihre Schüler, allesamt indigene Mapuche genau wie sie selbst, sowohl auf Spanisch wie auf Mapudungun, der Sprache der Mapuche. Über Jahrzehnte wurden die Indigenen und ihre Kultur vom chilenischen Staat unterdrückt, was so weit führte, dass „die eigenen Großeltern und Eltern sich weigerten, den Kindern ihre Sprache beizubringen." Nun müssen die Mapuche ihre eigene kulturelle Identität erst wieder mühsam erlernen.

Im Advent 2013 war sie als Gast der Adveniat-Aktion in Deutschland.

Ein Film von Peter Theisen.

Copyright: Bischöfliche Aktion Adveniat.

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