Die neue Ausgabe des GIGA Focus Lateinamerika ist erschienen, diesmal zum Thema "Steuern, Subventionen und soziale Ungleichheit in Lateinamerika".
Die Analyse von Karl-Dieter Hoffmann beschäftigt sich mit den gegenwärtigen Steuersystemen und staatlichen Transferleistungen:
— Die Steuerquote in Lateinamerika ist nur halb so hoch wie in den OECD-Staaten und liegt auch deutlich unter den Vergleichswerten anderer Entwicklungsländer mit ähnlich hohen Pro-Kopf-Einkommen.
— Die niedrigen Steuereinnahmen beruhen keineswegs auf niedrigen Steuersätzen, sondern resultieren aus der in Relation zur Bevölkerungszahl schmalen Steuerbasis und dem beträchtlichen Ausmaß an Steuerhinterziehung.
— Die relativ geringen Fiskaleinkünfte beschränken zwangsläufig den staatlichen Handlungsspielraum in der Ausgabenpolitik. In vielen Ländern wird dieses Problem dadurch verschärft, dass der weit überwiegende Teil der Einnahmen zur Finanzierung laufender Kosten fest verplant ist.
— Es entspricht der Logik des Phänomens, wenn die Unternehmer und Beschäftigten des informellen Sektors als (direkte) Steuerzahler größtenteils ausfallen. Die als notwendig erachtete Ausdehnung der Steuerbasis auf diesen Wirtschaftsbereich kann kaum gelingen, so lange einige Merkmale der geltenden Steuer- und Abgabensysteme als Anreize für eine Verstärkung der Informalität wirken.
— In den meisten Staaten der Region profitieren vor allem Angehörige der Ober- und Mittelschicht von den staatlichen Subventionsprogrammen, wodurch die soziale Ungleichheit weiter verstärkt wird.
Der GIGA Focus Lateinamerika wird herausgegeben vom GIGA German Institute of Global and Area Studies in Hamburg steht kostenlos zum Download im Internet zur Verfügung.