
"Und dann der Regen" - "Tambien la lluvia". Piffl Medien
Seit Ende Dezember ist er in den Kinos, in der Presse wurde er bereits vorher hochgejubelt – der Film „Tambien la lluvia“, in der deutschen Übersetzung: „Und dann der Regen“ von der spanischen Regisseurin Icíar Bollaín. Die französisch-spanisch-mexikanische Produktion wurde bereits mehrfach ausgezeichnet: Berlinale-Publikumspreis, mehrere Goya-Darsteller-Preise – die Erwartung des Zuschauers ist hoch.
Es geht in dem brisanten Politdrama um einen fiktiven Filmdreh. Der junge spanische Regisseur Sebastián, gespielt von Gael García Bernal („Die Reise des jungen Ché“) plant einen Film über den berühmten Entdecker Christoph Kolumbus. Der Filmproduzent Costa (Luis Tosar) entschließt sich aus Kostengründen, nicht an den Originalschauplätzen der Karibik zu drehen, sondern im bolivianischen Cochabamba.
Das Filmteam gerät dabei sehr bald in Schwierigkeiten. Die Statisten streiken, denn die Regierung hat die Wasserversorgung privatisiert. Die Preise schießen in die Höhe, Brunnen zu graben wird verboten, nicht mal das Regenwasser dürfen die Menschen mehr sammeln. Das lassen sich die Campesinos jedoch nicht gefallen. Sie demonstrieren in Cochabamba und der Aufstand steigert sich zu einer unaufhaltsamen Rebellion. Anführer dieser Proteste ist Daniel, der bei den Dreharbeiten den legendären kubanischen Rebellenführer Hatuey spielt. Der Campesino ist auch im wahren Leben ein charismatischer Bauernführer, den die Regierung so schnell wie möglich aus dem Verkehr ziehen will.
Zwischen Kolumbus und dem Wasserkrieg in Cochabamba
Das Drehbuch des Briten Paul Laverty verknüpft auf sehr überzeugende Weise die Landnahme Südamerikas durch Christoph Kolumbus mit dem "Wasserkrieg" von Cochabamba im Jahr 2000. Im Mittelpunkt steht die Gier - in der Historie war es die Gier nach Gold, heute ist es die Gier nach Geld.
Einen besonderen Reiz macht dabei aus, dass die Regisseurin mit dem Motiv des Films im Film spielt. Die Grenzen erscheinen dem Zuschauer teilweise fließend: Wenn beispielsweise die indigenen Darsteller von den schwarz-weiß-gescheckten Bulldoggen durch den Urwald gehetzt werden, ist man sich zwischenzeitlich nicht mehr sicher, ob sie sich tatsächlich noch als Darsteller sehen oder als diejenigen, die in ihrem eigenen Land unterdrückt und gejagt werden. - Ein Effekt, der bei der Verstrickung der beiden thematischen Ebenen sehr gut funktioniert.
Mischung aus Laien und professionellen Schauspielern überzeugt
Icíar Bollaín inszeniert mit „Und dann der Regen“ ein vielschichtiges und aufregendes Drama. Sie findet dabei für jeden der Themenstränge die passenden Bilder: Es gibt große Panoramen aus dem Regenwald, eine Hetzjagd als Handkamerapassage oder grobkörniges quasi-dokumentarisches Schwarz-Weiß-Material von den Straßenkämpfen. Auch das gemischte Ensemble aus professionellen Schauspielern und Laiendarstellern überzeugt.
In der Welle der Euphorie für diesen Film gibt es allerdings eine Einschränkung: Der Film überzeugt, solange in dem Konflikt alle Protagonisten so handeln, wie man es von ihnen erwartet. Als dann aber beispielsweise in den Straßenkämpfen die Tochter des Rebellenführers schwer verletzt wird, setzen sich plötzlich auch bei dem Filmteam menschliche Stärken und Schwächen durch. Dieser Wandel ist den Figuren nur schwer abzunehmen. Die Wendung kommt zu überraschend. Vor allem aber setzt sie ein dramatisches, hochemotionales Finale in Gang, das dem voherigen Teil des Films seine überzeugende Nähe zur Realität nimmt.
Autorin: Mareille Landau