
Argentinien ist das Gastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. Unter dem Motto „Argentina, cultura en movimiento“ („Kultur in Bewegung“) werden in den Monaten bis zur Bücherschau im Oktober zahlreiche Veranstaltungen zur Literatur des Landes angeboten. Hinzu kommen Präsentationen zur bildenden Kunst, dem Theater und der Kulturpolitik. Das südamerikanische Land plant, seinen Gastlandauftritt in den Kontext der Feierlichkeiten anlässlich des „Bicentenario“, des 200. Jubiläums der Unabhängigkeitsbewegung, zu stellen.
Während der Frühjahrs-Buchmesse in Leipzig informierten die Organisatoren über den Stand der Vorbereitungen und warben für den bevorstehenden Veranstaltungs-Marathon. „Wir möchten uns als junges lateinamerikanisches Land präsentieren und die verschiedenen Aspekte unseres kulturellen Selbstverständnisses vorstellen“, erläuterte Magdalena Faillace, die Präsidentin des argentinischen Organisationskomitees COFRA, die Zielsetzungen für den Messeauftritt. Es sei wichtig, die kulturelle Vielfalt und Weltoffenheit des Landes zu unterstreichen, „das sich seit dem Ende des 19. Jahrhunderts aufgrund der Immigration immer wieder neu strukturieren musste und sich bis heute im ständigen Austausch mit anderen Völkern befindet“. Das Komitee COFRA setzt sich aus Vertretern verschiedener Ministerien und kultureller Einrichtungen zusammen.
Zwar sei, so die Organisatoren, die zeitgenössische Literatur Lateinamerikas und damit auch Argentiniens seit gut 30 Jahren in Europa präsent und habe sogar in den 1980er Jahren einen regelrechten Boom ausgelöst. Dennoch gebe es viele jüngere Autoren, deren Romane und Erzählungen noch nicht aus dem Spanischen übersetzt wurden. Somit war klar, dass das COFRA sein Augenmerk auf die finanzielle Unterstützung literarischer Übertragungen ins Deutsche sowie in weitere Sprachen legen musste. Hierfür wurde das „SUR-Programm zur Förderung von Übersetzungen“ aufgelegt, das nach aktuellem Stand 147 Werke von 123 Autorinnen und Autoren in 21 Sprachen übersetzen ließ. Allein auf Deutsch sollen 2010 mehr als 100 neue Bücher aus Argentinien vorliegen.
Jürgen Boos, der Direktor der Frankfurter Buchmesse, erinnerte in einer kurzen Rede zum Programmauftakt des Gastlandes Argentinien an die Messe des Jahres 1976, bei der Lateinamerika im Mittelpunkt stand. Damals bat Hans Magnus Enzensberger die Gäste um Nachsicht mit den Deutschen, die „die letzten Entdecker Amerikas“ seien. Dass die Entdeckungsreise zum Erfolg wurde, sei nicht zuletzt den hiesigen Verlagen zu verdanken. Literatur aus Lateinamerika sei heute „quasi ein Gütesiegel“, so Boos.
Auf der Leipziger Buchmesse war Argentinien bereits mit einem eigenen Stand vertreten. Die Schriftsteller Laura Alcoba, Félix Bruzzone, Carlos Gamerro, Tununa Mercado und Pablo Ramos lasen in den Messehallen und an verschiedenen Orten in der Stadt. Darüber hinaus brachte sich Argentinien in die Präsentation auf dem Gemeinschaftsstand Lateinamerika ein, an dem unter anderem Chile, Kolumbien, Mexiko und Venezuela teilnahmen. Es wurde deutlich, dass 2010 und 2011 in zahlreichen Ländern der Aufstände gegen die spanischen Kolonialisten vor 200 Jahren gedacht wird.
Zu den kommenden Veranstaltungen des Gastlandes Argentinien zählen ein kulturpolitisches Symposium in Brüssel zur Erinnerung an die jüngste Vergangenheit in Argentinien, Spanien und Deutschland sowie den Platz Lateinamerikas innerhalb der neuen Weltordnung, sowie das romanistische Kolloquium „Borges Poeta“ an der Universität Leipzig. In Berlin treffen sich derweil Nachwuchsautoren aus Deutschland und Argentinien zu einem literarischen Workshop.
Text: Thomas Völkner