
Aus dem Film "Operation Teufel" / Guarango/Quisca
Ein Spionagethriller von 58 Minuten Länge. Es ist die Kurzversion des derzeit noch auf Festivals laufenden Films „Operation Teufel“, die Ende Juni als Preview in Berlin gezeigt wurde. Zitat aus dem Film: „2. Nov. 5:00 Uhr – Die Überwachung der ‚Hölle’ beginnt. 2. Nov. 7:00 Uhr – ‚Der Teufel’ kommt am Büro an.“
Diese Sätze entstammen einem Dokumentarfilm. Ein bisschen fassungslos darf man da schon sein. Sich die Augen reiben. Fast das Atmen vergessen. Immer wieder denken, es sei ein Spielfilm, alles erfunden. Tolle Idee. Aber nein. Lediglich einige Szenen sind nachgestellt worden, weil kein Bildmaterial vorhanden war.
Eine private Detektivfirma filmte und fotografierte jeden Schritt des peruanischen Paters Marco Arana und der anderen Umweltaktivisten der Organisation Grufides im peruanischen Cajamarca. Deckname des Einsatzes: „Operation Teufel“ (Operación Diablo). Marco Arana und seine Kollegen werden „verteufelt“, überwacht. Doch statt sich mit der Opferrolle abzufinden, beginnen die Aktivisten ihre Verfolger zu filmen, zu fotografieren und stellen schließlich zwei Spione.
Als die Polizei das Büro der Detektivfirma aushebt, zeigen dort gefundene Dokumente, dass die Sicherheitsfirma FORZA Auftraggeber der „Operation Teufel“ ist. FORZA ist auch für die Sicherheit des Unternehmens Yanacocha verantwortlich. Und Yanacocha betreibt die größte Goldmine in Lateinamerika, die Stück für Stück das Land der Bauern frisst und ihnen das Wasser abgräbt.
Der Film hat seine Schwächen dort, wo Szenen nachgestellt wurden. Es scheint, als hätten die Macher des Films den Erzählstimmen der Protagonisten oder der schlichten Bebilderung oder akustischen Inszenierung von Schauplätzen nicht vertraut. Der Film verrutscht in diesen Momenten ins Genre der abendlichen Krimi-Serie. Doch diese Irritation sei verziehen. Die Stimme der kanadischen Regisseurin führt als Ich-Erzählerin durch den Film und erzählt, wie sie in dieses Land und zu dieser Geschichte kam. Glücklicherweise wurde nicht synchronisiert sondern auch auf Deutsch untertitelt.
Stephanie Boyd zeigt in ihrem Film, wie weit die Verfolgung von Aktivisten durch transnationale Konzerne gehen kann. Fast beiläufig erzählt die 38-Jährige auch, welchen Mut und welche Kraft Marco Arana und die Mitstreiter von Grufides aufbringen, wenn sie sich friedlich gegen diese Mächte zur Wehr und für die bäuerliche und indigene Bevölkerung einsetzen. Marco Arana bewegt sich scheinbar unangefochten zwischen verhärteten Fronten. Er ruft die lokale Bevölkerung dazu auf, keine Steine zu werfen, und fordert von der Polizei, dass sie kein Tränengas mehr verschießt. Es ist wichtig, dass es solche Menschen gibt, und, dass es Filme wie diesen gibt, der sie zeigt. In ihrem Mut und in ihrer Verletzbarkeit. „Es geht nicht um mich, es ist wichtig, dass das dokumentiert wird und um die Welt geht“, sagt Marco Arana, nachdem er den Film in Berlin zum ersten Mal gesehen hat.
Im Umfeld der Verleihung des Aachener Friedenspreises 2010 an Marco Arana wird die Kurzversion „Wenn die Erde weint“ gezeigt. Ende November, nach zahlreichen Festival-Screenings wird endlich auch die Langversion in Deutschland zu sehen sein, zum Beispiel auf dem One World-Filmfestival 2010 in Berlin. Egal welche Variante: Unbedingt anschauen.
Autorin: Bettina Hoyer
Wenn die Erde weint / Cuando la Tierra Llora // Peru 2009, R: Stephanie Boyd (Guarango/Quisca), 58 Min., Sp. O. mit dt. UT
Operation Teufel / Operación Diablo // Peru 2009, R: Stephanie Boyd (Guarango/Quisca), 69 Min., Sp. O. mit dt. UT