Inmitten von Protesten kolumbianischer Unternehmer, Bauern und Gewerkschaften ist am 15. Mai das bilaterale Freihandelsabkommen mit den USA in Kraft getreten. Demonstrationen gegen das Abkommen an den öffentlichen Universitäten zwangen die Behörden am 15. Mai zur Schließung der Einrichtungen. Zudem kamen bei einem Bombenanschlag auf einen ehemaligen Innen- und Justizministers zwei Leibwächter ums Leben.
In Mexiko ist offenbar ein Grossreinemachen der Streitkräfte im Gange. In den vergangenen Tagen wurden ranghohe Offiziere unter dem Verdacht der Verwicklung in den Drogenhandel festgenommen. Sie kommen vorübergehend für 40 Tage in Untersuchungshaft unter dem Vorwurf des Organisierten Verbrechens.
„Mein Name ist Victoria“ ist Biographie und Historischer Roman in einem. Erzählt wird die Geschichte einer jungen argentinischen Frau namens Analía. Analía wächst in gut bürgerlichen Verhältnissen auf, entdeckt früh ihr soziales Engagement und beginnt, sich während ihres Studiums für Politik zu interessieren. Abgesehen von Meinungsverschiedenheiten mit ihrem konservativen Vater, führt Analía ein ganz normales Leben. Bis sie mit 27 Jahren erfährt, dass ihre Eltern nicht ihre Eltern sind. Alles um sie herum stürzt ein wie ein Kartenhaus:
Dieser Tag würde für immer hinter einem Schleier, wie losgelöst aus dem Kalender in ihrem Gedächtnis bleiben. Die Erinnerungen daran würden bruckstückhaft sein, und die Gespräche und Situationen, die sich danach ergaben, sind praktisch nicht wiederzugeben.
Die junge Frau findet heraus, dass sie die Tochter von so genannten Verschwunden ist. Menschen, die während der Militärdiktatur verschleppt wurden und von denen keiner genau weiß, was mit ihnen passiert ist. Ihre vermeintlichen Eltern haben sie adoptieren können, weil ihr Vater während dieser grausamen Militärdiktatur eine hohe Position bei der Armee inne hatte.
Analías Geschichte ist die Biographie der Autorin Victoria Donda. Aber nicht nur das. Sie ist auch ein Beispiel für die Geschichten hunderter anderer Kinder, die während der Diktatur zwangsadoptiert wurden. Viele dieser Opfer wissen bis heute nicht, dass ihre tatsächlichen Eltern ermordet worden sind. Dass die Herkunft von Victoria Donda aufgedeckt werden konnte, ist den sozialen Bewegungen „H.I.J.O.S“ und „Madres de la Plaza de Mayo“ zu verdanken. Beide Organisationen kämpfen bis heute darum, jedes einzelne Schicksal der insgesamt ca. 30 000 Verschwundenen aufzuklären.
Das Buch berichtet somit nicht nur über die Opfer der Militärdiktatur, sondern ist auch Zeugnis der Brutalität und Kaltblütigkeit der Armee zu jener Zeit. Die letzten 30 Jahre argentinische Geschichte nachzuzeichnen, ist Teil der Motivation Dondas gewesen, ihre Geschichte aufzuschreiben. „Vor allem aber gibt mir dieses Buch die Möglichkeit laut herauszuschreien, was man mir so lange verborgen hat: Mein Name ist Victoria Donda“, heißt es im Buch der heute 32-jährigen Parlamentsabgeordneten.
„Mein Name ist Victoria. Verschleppt von der Militärjunta. Ein argentinisches Familienschicksal“ ist am 15. Februar im Knaur Verlag erschienen und kostet 16, 95 Euro.
Text: aj
"Dieser Tag würde für immer hinter einem Schleier, wie losgelöst aus dem Kalender in ihren Gedächtnis bleiben. Die Erinnerungen daran würden bruckstückhaft sein, und die Gespräche und Situationen, die sich danach ergaben, sind praktisch nicht wiederzugeben"