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22.05.2012

Lateinamerika

Demografischer Wandel verstärkt Armut im Alter

Mehr als die Hälfte der über 60-Jährigen ohne Rente.

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22.05.2012

Mexiko

Jährlich über 14.000 Tote durch Luftverschmutzung

Schärfere Reinheitsvorschriften gefordert.

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22.05.2012

Kolumbien

Freihandelsabkommen mit den USA in Kraft getreten

Inmitten von Protesten kolumbianischer Unternehmer, Bauern und Gewerkschaften ist am 15. Mai das bilaterale Freihandelsabkommen mit den USA in Kraft getreten. Demonstrationen gegen das Abkommen an den öffentlichen Universitäten zwangen die Behörden am 15. Mai zur Schließung der Einrichtungen. Zudem kamen bei einem Bombenanschlag auf einen ehemaligen Innen- und Justizministers zwei Leibwächter ums Leben.

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21.05.2012

Mexiko

Drei Generäle der mexikanischen Streitkräfte verhaftet

In Mexiko ist offenbar ein Grossreinemachen der Streitkräfte im Gange. In den vergangenen Tagen wurden ranghohe Offiziere unter dem Verdacht der Verwicklung in den Drogenhandel festgenommen. Sie kommen vorübergehend für 40 Tage in Untersuchungshaft unter dem Vorwurf des Organisierten Verbrechens.

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21.05.2012

El Salvador

Kirche fordert neue Schritte gegen Jugendgewalt

„Jetzt ist die Gesellschaft in der Pflicht“

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Buchbesprechung

Ein Sachbuch - spannender als ein Krimi

Robert Whitaker: ,,Die Frau des Kartographen und das Rätsel um die Form der Erde".

Wer leselustig ist, erlebt dies kurz über lang selbst: dass manches Sachbuch spannender ist als mancher Krimi. „Denn die Wahrheit ist erregender als die Phantasie.“ (Hans-Otto Meissner, Vorwort zu „… immer noch 1000 Meilen zum Pazifik“)


Ein Sachbuch? Nur in dem Sinne, dass es keine Fiktion ist, kein Roman. Ein Sachbuch in dem Sinne, dass es vor allem um eine „Sache“ ginge, ist es nicht. Denn im Mittelpunkt stehen Menschen und deren Lebensgeschichten. Es beginnt mit einer Gruppe französischer Wissenschaftler, die 1735 in das damalige spanische Vizekönigreich Peru aufbrachen, zu dem auch das heutige Ecuador gehörte. Der Auftrag der Pariser Akademie der Wissenschaften lautete, durch die Vermessung eines Breitengrades nahe am Äquator, verbunden mit astronomischen Beobachtungen, die damals heftig umstrittene Streitfrage nach der Gestalt der Erde zu entscheiden: Ist die Erde an den Polen abgeplattet (so Isaac Newton) oder an den Polen in die Länge gezogen (so René Descartes)? Die Frage ist alles andere als akademisch, die Genauigkeit der Karten, die Einstellung von Pendeluhren und vieles andere hängt davon ab. Wie die Franzosen ihre Aufgabe erfüllten, wie sie trotz aller Widrigkeiten ein unter diesen Umständen fast unfassbar genaues Messergebnis erzielten, schildert Robert Whitaker auf mitreißende Weise.

Als „das Rätsel um die Form der Erde“ (so der zweite Teil des Buchtitels) gelöst ist, hebt die zweite Geschichte an. Zeitlich folgt sie an zweiter Stelle, in ihrer Dramatik aber übertrifft sie die Geschichte der Expedition noch - wenn eine solche Steigerung überhaupt möglich ist - und nimmt deshalb zu Recht den ersten Platz im Titel ein. Es ist die Liebes-, Abenteuer- und Ehegeschichte zwischen Jean Godin und Isabel Gramesón. Der junge Assistent der Expedition war nach dem Abschluss der Vermessungen im Lande geblieben und hatte 1741 die 13-jährige Tochter einer angesehenen Familie in Quito geheiratet.

Acht Jahre darauf zog es Jean Godin dann doch in die Heimat. Dazu wählte er eine ungewohnte Strecke: weder gen Westen zur pazifischen, noch gen Norden zur karibischen Küste, sondern gen Osten, den Amazonas hinab. Um sich mit eigenen Augen zu vergewissern, ob diese Route auch für eine (nämlich seine) Frau passabel sei, zog er zunächst allein los, in der Absicht, in der französischen Kolonie Cayenne am Atlantik alles für die Weiterreise nach Frankreich zu arrangieren, dann umzudrehen und Isabel auf dem solchermaßen gebahnten Weg abzuholen. Doch es kam anders: In Cayenne glücklich angekommen, musste er feststellen, dass er dort festsaß und es weder vor noch zurückging. (Die Spekulation über die Gründe, weshalb alles so und so unglücklich kam, ist der einzige Abschnitt in Whitakers Erzählung, in der er nicht überzeugt. Schwerer wiegt ein anderer Mangel: Es ist unredlich, dass Whitacker das ein Jahr vor dem eigenen Werk zum selben Thema erschienene Buch im Literaturverzeichnis unterschlägt, nämlich das von Anthony Smith: „The Lost Lady of the Amazon: The Story of Isabela Godin and Her Epic Journey“.) In Quito wartete Isabel, wartete und wartete auf den geliebten Ehemann. 20 Jahre lang.

Als beider Tochter starb, hielt Isabel nichts mehr zurück, ihren Mann zu suchen. 1769 nahm das Unerhörte seinen Lauf, eine Geschichte, die nach ihrem Bekanntwerden erst Lateinamerika, dann Europa in Aufruhr versetzte: Eine Dame von Stand machte sich samt Gefolge auf in die unbekannte, Schrecken erregende Wildnis. Auf dem Bobonaza, einem Nebenfluss des Pastaza, kenterte ihr Kanu. Ihre Diener und Gefährten ertranken oder verhungerten. Unter schier unausdenklichen Strapazen versuchte Isabel sich allein und zu Fuß durch die „grüne Hölle“ zu schlagen …

Ob ihre Reise ihr Ziel erreicht, ob die Liebenden einander wiedersehen werden, darf ich an dieser Stelle nicht verraten. Lesen Sie selbst!
Ein lehrreiches Buch voller Einblicke in die fast archaisch erscheinende Welt der spanischen Kolonie der Neuen Welt und in die Epoche des Aufbruchs in die moderne Wissenschaft erwartet Sie - und ein bewegendes Buch des Zeugnisses einer großen Liebe und vielgeprüften Ehe.

Autor: Michael Huhn

Robert Whitaker: Die Frau des Kartographen und das Rätsel um die Form der Erde, Karl Blessing Verlag, München 2004, ISBN: 3-89667-235-5, Preis: 24 €.

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