19.06.2017

Chile

Migranten demonstrieren nach Tod von Weintraubenpflücker

Frauen im Migrantinnenheim der Pfarrei Nuestra Senora de Pompeya in Santiago de Chile.

Migranten genießen in Chile keinerlei soziale Rechte. Foto: Adveniat/Hoch

In Chiles Hauptstadt sind hunderte Migrantinnen und Migranten gegen Rassismus und Diskriminierung auf die Straße gegangen. Auf der Plaza de las Armas im Stadtzentrum von Santiago de Chile demonstrierten Menschen aus Haiti, der Dominkanischen Republik, Peru und Kolumbien friedlich gegen die "Gleichgültigkeit, die sie in der Gesellschaft erleiden", so lokale Medien über die Demonstration am Samstag, 17. Juni 2017. Unter dem Motto "Sé una luz" - zu Deutsch "Ich kenne ein Licht/ein Licht vereint" - hatte die Organisation "Movimiento Acción Migrante" zur Teilnahme aufgerufen.

Anlass der Protestaktion war der jüngste Tod des gebürtigen Haitianers Benito Lalane. Der 31 Jahre alte Migrant war im April 2016 von der von Erdbeben, Bürgerkrieg und Massenarmut gebeutelten Karibikinsel nach Chile gekommen, um sich als Weintrauben-Erntehelfer zu verdingen. Mangels Spanischkenntnisse, geringen Lohns und hoher Lebenshaltungskosten konnte Lalane weder wie geplant Geld zu seiner Familie in die Heimat schicken noch sein eigenes Leben bestreiten.

Nach Beschwerden über seinen Gesundheitszustand starb der Geflüchtete vereinsamt in seiner unbeheizten Hütte in Pudahuel im Norden von Santiago de Chile an Untertemperatur, berichtet die Tageszeitung El Mostrador über das Schicksal. Der Tod des jungen Mannes sei kein Einzelfall, so Eduardo Cardosa, Sprecher der Migrantenprotestaktion. Chiles Gesellschaft schaue viel zu oft weg, wenn es um die Rechte der rund 500.000 Einwanderer gehe. Das Ausländerrecht in Chile stammt aus dem Jahre 1975 und regelt allein Ein- und Ausreise sowie Aufenthaltsbestimmungen, jedoch keine sozialen Rechte wie medizinische Versorgung oder Arbeitslosenversicherung. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) macht mit der Kampagne "Chile ohne Grenzen" seit April auf die mangelhafte Rechtslage aufmerksam. (bb)

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