17.02.2017

Ecuador

Sozialist Correa hinterlässt keine schlechte Bilanz

Der Abschied naht. Rafael Correa muss sein Präsidentenamt für einen Nachfolger räumen. Foto: Agencia de Noticias ANDES,CC BY-SA 4.0.

Für Sonntag sind 12,8 Millionen Ecuadorianer zur Wahl aufgerufen. Gesucht wird ein Nachfolger für Präsident Rafael Correa, der das Land seit 2007 regiert. Auf den neuen Staatschef warten große Herausforderungen.

Ein gutes Jahrzehnt hat Rafael Correa Ecuador geprägt. Der Sozialist ritt dabei in den ersten Jahren seiner Amtszeit auf der Welle der hohen Ölpreise mit. Der gelernte Wirtschaftswissenschaftler machte dabei vieles richtig, setzte auf Investitionen und eine effektive Armutsbekämpfung. Die Bilanz kann sich sehen lassen: Seit Correas Amtsantritt ging die Armut im Land deutlich zurück. Im Gegensatz zu Venezuela, das heute unter einer katastrophalen Versorgungslage leidet, funktionierte sein System. Der Katholik und Anhänger von Papst Franziskus vertraute auch auf die Rezepte einer sozialen Marktwirtschaft - und nicht, wie in Caracas, auf planwirtschaftliche Modelle des vergangenen Jahrhunderts.

Doch mit dem Ölpreisverfall begannen neue Probleme in Ecuador. Womöglich hat sich der mit 53 Jahren relativ junge Präsident auch deshalb für einen geregelten Abschied aus dem Amt entschieden. Anders als andere Staatenlenker in Lateinamerika widerstand er der Versuchung, die Verfassung zu ändern, um länger an der Macht zu bleiben. Die nächsten Jahre werden für Ecuador nicht einfach: Die innenpolitischen Auseinandersetzungen wegen der hoch umstrittenen Ölförderung im Nationalpark Yasuni, die hohe Schuldenlast beim Investor China - mit all diesen Lasten muss sich nun sein Nachfolger herumschlagen.

Franz Hellinge, Ecuador-Experte des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, glaubt dennoch an einen Wahlerfolg des Regierungskandidaten: "Ich gehe davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Fortsetzung der aktuellen Regierung groß ist." Die Menschen hätten die Erfolge Correas in der Armutsbekämpfung nicht vergessen. Hellinge mahnt jedoch, die Schattenseiten der Regierung Correa nicht zu übersehen. Ecuador brauche in Zukunft vor allem ausländische Investitionen, dazu müsse es aber erst einmal Rechtssicherheit schaffen. "Das Land muss sich unabhängig vom Öl machen", fordert der Experte. Dies sei die größte Herausforderung für eine neue Regierung des Andenstaates.

Vizepräsident ist Favorit

Für Sonntag sind 12,8 Millionen Ecuadorianer zur Wahl aufgerufen. Alle Umfragen sagen voraus, dass es im ersten Durchgang keinen klaren Wahlsieger geben wird. Favorit ist Lenin Voltaire Moreno, Correas Vizepräsident und seit einem Raubüberfall vor ein paar Jahren an den Rollstuhl gefesselt. Moreno hat weder das Charisma des bisweilen selbstverliebt auftretenden Correa, noch konnte er im Wahlkampf eine neue Euphorie für die seit einem Jahrzehnt regierende Partei Movimiento Alianza Pais entfachen. Trotzdem wird die starke Basis ihn am Sonntag voraussichtlich über die 30-Prozent-Marke hieven.

Zuletzt verhagelten dem Wunschnachfolger von Correa allerdings die Nachrichten im Korruptionsskandal um den brasilianischen Baukonzern Odebrecht den Wahlkampf. In der Ära Correa flossen viele Millionen Dollar Schmiergeld in den Andenstaat. An wen, ist bislang noch nicht geklärt.

Stichwahl sehr wahrscheinlich

Zum Wahlsieg sind in Ecuador mindestens 40 Prozent der Stimmen und zehn Prozentpunkte Vorsprung zum Zweitplatzierten notwendig. Den Umfragen zufolge kommt es daher mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer Stichwahl am 2. April 2017. Aussichtsreichster Kandidat für den zweiten Platz ist der konservative Ex-Banker Guillermo Lasso, der in den Erhebungen auf mehr als 20 Prozent kommt. Chancen werden auch der Kandidatin Cynthia Viteri von der Mitte-Rechts-Partei Partido Social Cristiano eingeräumt.

Quelle: KNA, Autor: Tobias Käufer, Foto: Agencia de Noticias ANDES,CC BY-SA 4.0.

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